PEINE. Die Jugend ist politisch nicht interessiert – so will es das Klischee. In Peine beweisen die Mitglieder der Nachwuchsorganisationen der großen Parteien das Gegenteil und engagieren sich für ihre Kandidaten im Wahlkampf.
Man sieht es schon am Aufdruck auf den T-Shirts – diese beiden Jungs gehören zur Jungen Union (JU). Thorge Karnick und Hannes Beims sitzen ihn ihren Büro in der CDU-Zentrale in der Kantstraße und feixen. Schließlich ist der Termin mit den beiden eher zustande gekommen als der mit der Konkurrenz von der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz Jusos. "Die Sticheleien sind wichtig, um sich zu distanzieren", meint Thorge. Dann gibt er zu, dass er auch dort mal vorbei geguckt hat, als er sich für Politik zu interessieren begann.
Inhaltlich aufgehoben habe er sich dann aber doch bei der JU gefühlt. "Wir sind auch aktiver", meint der 20-Jährige.
Die Jusos gehen darauf gar nicht ein. Zu sechst sind sie beim Termin mit der Presse im Egon-Bahr-Haus erschienen, und präsentieren dabei gleich drei neue Mitglieder. Julius Schneider etwa ist erst vor eineinhalb Monaten beigetreten. Er meint: "Man meckert ja immer ganz gerne, aber wenn man nicht selbst aktiv wird, ist man eigentlich gar nicht in der Position dafür." Nun unterstützt der 16-Jährige Hubertus Heil bei einem Wahlkampf, an dessen Ende er noch gar nicht stimmberechtigt ist.
Sein Kollege Matthias Stützer, der schon seit vier Jahren bei den Jusos aktiv ist, meint: "Alles ist besser, als nichts zu tun."
Eine Einstellung, die die Mitglieder der beiden politischen Jugendorganisationen vereint: Sie wollen mitbestimmen. "Hier kann man etwas bewegen", sagt Bastian Hielscher von den Jusos. Hannes Beims von der JU meint: "Das ist unsere Möglichkeit, sich einzumischen und die Interessen der Jugend zu vertreten."
Engagement, politisches Bewusstsein und die Bereitschaft, viel Freizeit gerade jetzt vor der Wahl zu opfern, haben sie gemeinsam. Die Trennung verläuft inhaltlich. Vermeindlich.
Hannes und Thorge von der JU sprechen von Möglichkeiten der Wirtschaftsförderung durch Eigenheimbau, aber auch von der Notwendigkeit, Ausbildungsplätze zu schaffen und zu erhalten. "Wir denken langfristig und deutschlandweit", meint Hannes. Alle staatlichen Investitionen müssten sie später ausbaden – "Da muss man genau gucken, wo es sich lohnt."
Juso Matthias formuliert es so: "Wir brauchen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit." Einer der inhaltlichen Schwerpunkte seien bessere Chancen in der Aus- und Weiterbildung; eine Ausbildungsplatzumlage sei etwa eines ihrer Ziele.
Im Wahlkampf werden alle sich für ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten auf die Straße stellen, Flyer verteilen, Leute ansprechen und Aktionen extra für Jugendliche organisieren. "Der direkte Draht zu Ewa Klamt ist da", sagt Hannes von der JU. "Hubi ist ja selbst gerade erst aus dem Juso-Alter heraus", meint Bastian von den Jusos.
Nichts erscheint entfernter als Politikverdrossenheit, wenn man mit diesen Nachwuchspolitikern spricht. Sie lesen die Zeitung, sehen politische Magazine und können über die Vor- und Nachteile der Abwrackprämie diskutieren. Sie setzen sich ein, sie machen Wahlkampf, und sie glauben an den Sieg ihrer Partei.
Bastian sagt: "Wir in Peine sind nicht ganz so links wie andere Jungsozialisten in Deutschland." Thorge meint: "Wir von der JU Peine sind sozial und grün." Gemeinsam sind sie von einer großen Koalition nicht gerade überzeugt.